Drohnenangriff Rumänien: NATO wirft Russland Eskalation vor | nachrichten360
Drohne schlägt in rumänischem Wohnhaus ein – NATO und Berlin verurteilen Eskalation
Galati, 30. Mai 2026
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Kurzfassung
Bei einem Drohneneinschlag in der rumänischen Grenzstadt Galati wurden zwei Menschen verletzt. Die NATO und Bundeskanzler Merz verurteilten den Vorfall scharf und warnten vor einer weiteren Eskalation des Ukraine-Kriegs.
In der Nacht zum Samstag schlug eine Drohne in einem Hochhaus in Galati nahe der ukrainischen Grenze ein und verletzte zwei Menschen, woraufhin Rumänien den russischen Botschafter einbestellte und die NATO Russland Rücksichtslosigkeit vorwarf.
Internationale Reaktionen
Der Vorfall ereignete sich während eines großangelegten russischen Angriffs auf zivile Ziele und Infrastruktur in der Ukraine, wie rumänische Behörden mitteilten. Die Drohne befand sich nur wenige Minuten im rumänischen Luftraum und flog in sehr geringer Höhe, so der rumänische Brigadegeneral Maxim. Luftabwehrsysteme in der Nähe von Galati seien nicht einsetzbar gewesen, da der Einsatz des US-amerikanischen Drohnenabwehrsystems wegen der unmittelbaren Nähe zur Stadt als zu gefährlich eingestuft wurde.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, Russland habe erneut eine Grenze überschritten – diesmal in Rumänien. Sie kündigte an, die Sicherheits- und Abschreckungsmaßnahmen insbesondere an der Ostgrenze weiter zu verstärken. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte, der Vorfall zeige einmal mehr Moskaus Bereitschaft zur Eskalation. Er betonte die Notwendigkeit einer starken NATO-Präsenz an der Ostflanke und erklärte: „Wir sind bereit, das Bündnisgebiet zu verteidigen.“
Außenminister Wadephul warf Russland ein rücksichtsloses Verhalten vor, das die kollektive Sicherheit gefährde. Die Bundestagsabgeordnete Göring-Eckardt von den Grünen bezeichnete den Angriff als Provokation und forderte weiteren militärischen und wirtschaftlichen Druck auf Russland. NATO-Generalsekretär Rutte schrieb auf X, der Vorfall zeige, dass die Folgen des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen die Ukraine nicht an Grenzen haltmachten. Er versicherte, die NATO sei bereit, jeden Zentimeter ihres Territoriums zu verteidigen.
Der ukrainische Außenminister Sybiha sprach von einer Bedrohung für ganz Europa. Präsident Wolodymyr Selenskyj bot Rumänien Unterstützung „in jeder erforderlichen Form“ an. Die estnische Ministerpräsidentin Kaja Kallas nannte den Vorfall eine ungeheuerliche Verletzung der rumänischen Souveränität.
Russlands Reaktion
Russlands Präsident Wladimir Putin bezweifelte, dass die Drohne, die Rumänien traf, aus Russland stammte. Er verwies darauf, dass in der Vergangenheit ukrainische Drohnen wiederholt nach Polen und in die baltischen Staaten eingedrungen seien. Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums erklärte laut der Nachrichtenagentur RIA, es seien keine Beweise für russische Drohnenflüge über Europa vorgelegt worden. Sämtliche Anschuldigungen, insbesondere zu Drohnen in EU-Ländern, seien völlig haltlos.
Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrats, Dmitri Medwedew, schlug schärfere Töne an. Er betonte, es herrsche Krieg, und die Bürger der EU könnten nicht länger ruhig schlafen. Europäische Politiker sollten sich nicht empören, da sie direkt an einem Krieg gegen Russland beteiligt seien. Solche Vorfälle würden sich weiterhin ereignen, besonders dort, wo Drohnen für die Ukraine hergestellt würden.
Das rumänische Außenministerium bezeichnete den Vorfall als schwerwiegende und unverantwortliche Eskalation durch Russland. Präsident Dan erklärte, Rumänien werde nicht zulassen, dass der Ukraine-Krieg auf seine Bürger übergreife. Als Reaktion auf den Drohneneinschlag bestellte Rumänien den russischen Botschafter ein und schloss das russische Konsulat in Constanța.
Militäranalyst sieht kein baldiges Kriegsende
Der Militäranalyst Franz-Stefan Gady, Mitglied des International Institute for Strategic Studies in London, äußerte sich in einem ARD-Interview skeptisch zu einem baldigen Ende des Krieges. Er sagte: „Ich glaube, dass dieser Krieg noch länger dauern wird, aber dass beide Seiten früher oder später diesen Krieg nicht in diesem Tempo weiterführen können.“ Gady verwies darauf, dass der Iran-USA-Israel-Krieg den Zeitplan für ein Ende des Ukraine-Kriegs zurückgeworfen habe. Eine Waffenruhe im Jahr 2026 hält er für unwahrscheinlich.
Nach Gadys Einschätzung verlagern die russischen Streitkräfte ihren Feldzug zunehmend auf Angriffe in die Tiefe des Landes und beschädigen dabei verstärkt die kritische Infrastruktur der Ukraine. Er warnte vor der Gefahr, dass die sich intensivierenden Angriffe mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern die ukrainische Luftabwehr früher oder später übersättigen könnten.
Die Front bei Pokrowsk im ostukrainischen Gebiet Donezk bleibt der aktivste Abschnitt des Krieges. Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs wehrten die Verteidigungskräfte am Vortag 49 russische Sturmangriffe an diesem Frontabschnitt ab. Am Frontabschnitt Huljajpole in der südukrainischen Region Saporischschja verzeichnete der Generalstab 40 russische Angriffe. Insgesamt wurden im Berichtszeitraum entlang der gesamten Front 291 Gefechte zwischen ukrainischen und russischen Truppen dokumentiert.
Frontlage in der Ukraine
Nach der vollständigen Besetzung von Pokrowsk und Myrnohrad verstärken die russischen Streitkräfte laut dem ukrainischen Militäranalyseprojekt Deepstate ihre Truppen an diesem Frontabschnitt. Präsident Selenskyj warnte vor einer neuen großangelegten russischen Offensive.
In der Nacht zum Samstag kam es zu gegenseitigen Luftangriffen mit mehreren hundert Fluggeräten zwischen der Ukraine und Russland, die auf beiden Seiten Tote und Verletzte forderten. Die ukrainische Luftwaffe meldete, Russland habe die Ukraine mit einer Iskander-M-Rakete, sechs Ch-101-Marschflugkörpern und 290 Drohnen angegriffen. Die ukrainischen Streitkräfte schossen nach eigenen Angaben 284 der 297 russischen Fluggeräte ab, darunter einen Marschflugkörper. Eine Rakete und ein Marschflugkörper erreichten ihre Ziele nicht, zudem gab es neun Einschläge an sieben Orten mit Trümmerteilen an zehn Orten.
Bei einem russischen Drohnenangriff in Saporischschja wurde nach Angaben von Regionalgouverneur Iwan Fedorow ein Mensch getötet und zwei weitere verletzt. In Cherson wurden nach Behördenangaben drei Menschen nach einem russischen Angriff verletzt. In der russischen Grenzregion Belgorod kamen in der Siedlung Oktjabrski bei zwei ukrainischen Drohnenangriffen drei Männer ums Leben, wie der regionale Krisenstab mitteilte.
Gegenseitige Luftangriffe
In Armawir in der südrussischen Region Krasnodar brach nach einem ukrainischen Drohnenangriff ein Feuer in einem Öldepot aus. Im Hafengebiet von Taganrog in der Region Rostow brannten nach Angaben von Gouverneur Juri Sljusar ein Tanker, ein Treibstofftank und ein Verwaltungsgebäude. Zwei Menschen wurden verletzt. Das russische Verteidigungsministerium meldete, die Luftabwehr habe in der Nacht 127 ukrainische Drohnen über russischem Territorium und der annektierten Halbinsel Krim abgeschossen.
Unterdessen verlegte die Bundeswehr Truppen und Gerät nach Litauen zur NATO-Übung „Freedom Shield“. Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 und Schützenpanzer Puma des Panzerbataillons 203 aus Augustdorf sowie des Panzergrenadierbataillons 122 aus Oberviechtach wurden per Fähre und Bahn nach Litauen transportiert. Rund 2.900 Soldaten, darunter 2.300 deutsche Kräfte, und etwa 800 Fahrzeuge aus acht NATO-Staaten werden im Mai und Juni auf dem litauischen Übungsplatz Pabrade zusammengezogen.
NATO-Übung und diplomatische Spannungen
In einem weiteren diplomatischen Spannungsfeld benannte der ukrainische Präsident Selenskyj eine ukrainische Armeeeinheit nach der Ukrainischen Aufständischen Armee, die während des Zweiten Weltkriegs für Massaker an Polen verantwortlich war. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk erklärte, diese Entscheidung „verletzt unsere historische Sensibilität“. Der Kreml begrüßte unterdessen die Haltung Ungarns zu Waffenlieferungen an Kiew.
Fragen & Antworten
Was geschah in Galati?
In der Nacht zum 30. Mai 2026 schlug eine Drohne in einem Hochhaus in der rumänischen Grenzstadt Galati ein und verletzte zwei Menschen leicht. Rumänische Behörden machten Russland für den Vorfall verantwortlich.
Wie reagierte die NATO auf den Drohnenvorfall in Rumänien?
NATO-Generalsekretär Rutte warf Russland Rücksichtslosigkeit vor und betonte, die NATO sei bereit, jeden Zentimeter ihres Territoriums zu verteidigen. Zuvor hatte bereits Bundeskanzler Merz eine starke NATO-Präsenz an der Ostflanke gefordert.
Wie schätzt Militäranalyst Franz-Stefan Gady die Dauer des Ukraine-Kriegs ein?
Gady glaubt, dass der Krieg noch länger dauern wird und beide Seiten das aktuelle Tempo nicht dauerhaft durchhalten können. Eine Waffenruhe im Jahr 2026 hält er für unwahrscheinlich.