Dieselpreis in Deutschland und Österreich fällt unter Vorkriegsniveau
MÜNCHEN, 22 Juni 2026
AI-generated image (flux-2/pro-text-to-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Nach dem Iran-Krieg und dem Anstieg im März sind die Dieselpreise in Deutschland und Österreich wieder unter das Niveau vor dem Krieg gefallen. In Deutschland lag der Durchschnitt am Montag knapp unter 1,70 Euro, in Österreich bei 1,685 Euro. Der ÖAMTC fordert dennoch eine schärfere Kontrolle der Preisaufschläge.
MÜNCHEN, 22 Juni 2026
Die Dieselpreise in Deutschland und Österreich sind in der vergangenen Woche unter das Niveau gefallen, das vor dem Iran-Krieg Ende Februar 2026 herrschte.
Preise unter Vorkriegsniveau
Der bundesweite Tagesdurchschnittspreis für Diesel in Deutschland lag am Freitag bei 1,733 Euro pro Liter und damit 1,3 Cent unter dem Wert vom 27. Februar 2026, dem letzten Tag vor Kriegsbeginn, wie aus Daten des ADAC hervorgeht. Am Sonntag notierte der Literpreis bei 1,738 Euro, am Montag um 10:45 Uhr sogar knapp unter 1,70 Euro. Damit liegt Diesel erstmals wieder unter dem Vorkriegswert, während Super E10 noch 4,4 Cent darüber liegt.
In Österreich war der Dieselpreis am Sonntag im bundesweiten Durchschnitt 1,685 Euro pro Liter, wie die E-Control berichtete. Am Vortag lag Benzin im Mittel bei 1,614 Euro je Liter. Auch dort nähern sich die Spritpreise damit wieder dem Vorkrisenniveau, wie der ÖAMTC auf APA-Anfrage bestätigte.
Ölmarkt und geopolitischer Hintergrund
Hintergrund der Entspannung ist vor allem der deutlich gesunkene Ölpreis. Die Blockade der Straße von Hormus hatte den Brent-Preis im März zeitweise über 120 Dollar je Barrel getrieben, im April erreichte Diesel in Deutschland mit 2,447 Euro pro Liter seinen bisherigen Rekordwert. Aktuell liegt Brent bei 79 Dollar (knapp 69 Euro) und damit in der Nähe des Niveaus von vor dem Krieg, als 72 Dollar gezahlt wurden.
Am Freitag war Brent noch über 80 Dollar gehandelt worden, am Berichtstag fiel der August-Kontrakt um fast zwei Prozent auf 78,98 Dollar. Auslöser des Rückgangs waren nach Angaben der Vermittler Katar und Pakistan „ermutigende Fortschritte“ bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über ein Abkommen zur Beilegung des Kriegs. Die Gespräche zielen auf eine sichere Passage für kommerzielle Schiffe durch die Meerenge.
Politische Maßnahmen und Steuerentlastungen
Zusätzlich dämpfend wirkte in Österreich die seit April geltende Spritpreisbremse der Regierung. In Deutschland hatte die Bundesregierung die zweimonatige Steuersenkung, den sogenannten Tankrabatt, nicht verlängert. Der Tankrabatt senkt die Steuern auf die Kraftstoffe pro Liter um 16,7 Cent und läuft am Monatsende aus.
Trotz der Entspannung an den Zapfsäulen bleiben die Aufschläge der Mineralölkonzerne auf den Liter Erdöl im Vergleich zur Zeit vor dem Iran-Krieg deutlich erhöht. Das kritisierte der ÖAMTC und forderte eine Untersuchung und stärkere Reglementierung der internationalen Preisnotierungen für Diesel und Benzin, die von den heimischen Anbietern als Referenzpreise herangezogen werden.
Kritik des ÖAMTC an Aufschlägen
Sepp Müller (CDU), stellvertretender Fraktionsvorsitzender, sagte kürzlich, der Tankrabatt habe zwar gut gewirkt; die Verlängerung sei aber finanzpolitisch nicht sinnvoll. „Wir können es uns in der aktuellen Lage nicht leisten, Schulden dafür aufzunehmen.“
Zusammen mit einem weiteren, namentlich nicht genannten Politiker warnte Müller Mineralölkonzerne zugleich vor deutlichen Preissteigerungen ab dem 1. Juli. Die Koalition sei vorbereitet, um eine etwaige Preisexplosion zu stoppen.
Preisverlauf im Detail
Aktuelle Preise deuten allerdings darauf hin, dass Diesel und E10 auch ohne den auslaufenden Rabatt unter 2 Euro pro Liter bleiben könnten. Am Berichtstag um 13 Uhr notierte der Dieselpreis im Mittel wieder bei 1,70 Euro, ein Liter E10 kostete 1,79 Euro und damit drei Cent mehr als zu Kriegsbeginn.
Der ADAC hatte ermittelt, dass Super E10 in Deutschland in der Spitze bis zu 2,192 Euro pro Liter gekostet hatte, Benzin damit rund 40 Cent teurer als vor dem Krieg, Diesel mehr als 70 Cent. In Österreich lag der Medianpreis für Benzin Ende März bei rund 1,9 Euro, für Diesel bei rund 2,2 Euro.
Die ARD/SWR-Datenanalyse aller Kraftstoff-Preise der rund 15.000 deutschen Tankstellen zeigt, wie stark die Preise seit Ostern gefallen sind. Damals hatten viele Tankstellen Spitzenwerte jenseits der 2-Euro-Marke verlangt. Nun nähern sich die Durchschnittswerte dem Niveau von Ende Februar an, dem letzten Handelstag vor Beginn der militärischen Auseinandersetzung in der Region.
Der Mobilitätsklub Österreich sieht dennoch Handlungsbedarf bei der Preisgestaltung. Die Aufschläge je Liter Kraftstoff auf den Liter Erdöl seien weiterhin deutlich höher als vor dem Iran-Krieg, hieß es. Der Verband fordert seit längerem eine Regulierung der internationalen Notierungen.
Ausblick und Tankzeitpunkt
Im April hatte es in Österreich eine Senkung der Mineralölsteuer um 5 Cent pro Liter und einen Margenaufschlag von 5 Cent gegeben, im Mai lag die Margenbegrenzung bei 2,5 Cent und die Steuersenkung bei 2 Cent. Seit Juni greift kein Margeneingriff mehr, sondern nur noch die Mineralölsteuersenkung um 1,7 Cent pro Liter.
In Deutschland entfaltet die 12-Uhr-Regel weiterhin Wirkung: Tanken um 10:45 Uhr gehört zu den billigsten Zeitpunkten des Tages. Wer am Montag um diese Uhrzeit tankte, zahlte 0,6 Cent weniger als noch am Sonntag zur selben Zeit.
Trotz aller politischen Warnungen und Marktmechanismen zeigt der Trend der vergangenen Woche klar nach unten. Sollten die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran weiter vorankommen, dürften die Spritpreise in Deutschland und Österreich auch in den kommenden Wochen stabil bleiben.
Der ÖAMTC fordert zudem eine grundsätzliche Reform der Preisnotierungen, die als Grundlage für die österreichischen Anbieter dienen. Nur so lasse sich verhindern, dass sich Preisaufschläge unabhängig von der tatsächlichen Marktentwicklung verfestigen.
Insgesamt bleibt abzuwarten, wie sich die Preise nach dem Auslaufen des Tankrabatts Ende Juni entwickeln werden. Die aktuellen Signale aus dem Ölmarkt und den diplomatischen Verhandlungen deuten jedoch auf eine anhaltende Entspannung hin.
Fragen & Antworten
Wie hoch ist der aktuelle Dieselpreis in Deutschland und Österreich?
Am Montag lag der bundesweite Durchschnittspreis für Diesel in Deutschland knapp unter 1,70 Euro pro Liter, in Österreich am Sonntag bei 1,685 Euro. Damit liegen die Preise wieder unter dem Niveau vom 27. Februar 2026, dem Tag vor Beginn des Iran-Kriegs.
Warum sind die Kraftstoffpreise wieder gefallen?
Hauptgrund ist der deutlich gesunkene Ölpreis: Brent-Öl notiert bei rund 79 Dollar, nachdem es im März durch die Blockade der Straße von Hormus zeitweise über 120 Dollar gestiegen war. Zudem gibt es Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran.
Was fordert der ÖAMTC angesichts der Preisentwicklung?
Der ÖAMTC kritisiert, dass die Aufschläge der Mineralölkonzerne pro Liter Kraftstoff im Vergleich zur Zeit vor dem Iran-Krieg weiterhin deutlich erhöht sind. Der Club fordert eine Untersuchung und stärkere Reglementierung der internationalen Preisnotierungen für Diesel und Benzin.
Dieselpreis unter Vorkriegswert: Juni 2026 | nachrichten360