Am Landgericht Braunschweig hat am Donnerstag der dritte große Betrugsprozess im Zusammenhang mit der VW-Dieselaffäre begonnen, in dem fünf Angeklagte wegen Beihilfe zum Betrug angeklagt sind.
## Anklagepunkte und Vorwürfe Die fünf Angeklagten, allesamt ehemalige oder aktuelle Mitarbeiter von Volkswagen, sollen zwischen November 2006 und September 2015 an der Entwicklung oder Unterstützung einer Software beteiligt gewesen sein, die Abgaswerte von Diesel-Fahrzeugen manipuliert hat. Laut den Ermittlungen soll die Software dafür entwickelt worden sein, um Emissionsprüfungen zu täuschen und gleichzeitig im realen Fahrbetrieb höhere Schadstoffwerte zuzulassen.
Den Angeklagten wird vorgeworfen, durch ihre Handlungen nicht nur den Betrug ermöglicht, sondern auch persönlich davon profitiert zu haben. Sie sollen Gehalts- und Bonuszahlungen erhalten haben, die mit dem finanziellen Erfolg der manipulierten Fahrzeuge verbunden waren. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, bewusst zum Schaden von Käufern gehandelt zu haben, um die Profite des Unternehmens zu maximieren.
## Milliarden-Schaden und Folgen Der Diesel-Skandal hat Volkswagen bereits Milliarden an Schadensersatzzahlungen und Strafen gekostet. Schätzungen zufolge beliefen sich die Schäden für Käufer auf mehrere Milliarden Euro. Die Manipulationen betrafen Millionen von Fahrzeugen weltweit und führten zu einem der größten Unternehmensskandale in der deutschen Automobilgeschichte.
Der nun begonnene Prozess ist bereits der dritte große Strafprozess im Zusammenhang mit der Affäre. In den vorangegangenen Verfahren wurden bereits hohe Geldstrafen und vereinzelt Haftstrafen verhängt. Die aktuelle Anklage könnte für die Angeklagten mehrjährige Haftstrafen zur Folge haben, sollte das Gericht sie für schuldig befinden.
## Hintergrund des Skandals Die VW-Dieselaffäre wurde im September 2015 aufgedeckt, als US-Behörden nachweisen konnten, dass Volkswagen in Diesel-Fahrzeugen eine Software eingesetzt hatte, die nur während offizieller Abgastests die Emissionswerte senkte. Im normalen Fahrbetrieb überschritten die Fahrzeuge die gesetzlichen Grenzwerte teilweise um ein Vielfaches.
Der Skandal führte zu einem massiven Vertrauensverlust in die deutsche Automobilindustrie und löste weltweit schärfere Kontrollen und neue Abgasnormen aus. Volkswagen musste sich in zahlreichen Ländern auf Vergleichsverfahren einlassen und Rückrufaktionen durchführen.
Der Prozess in Braunschweig wird voraussichtlich mehrere Monate dauern. Die Angeklagten haben sich bisher nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert. Die Verteidigung dürfte sich unter anderem auf die Frage konzentrieren, inwieweit die Angeklagten von den vollen Auswirkungen der Software-Manipulationen wussten.
Das Landgericht Braunschweig ist aufgrund des Sitzes von Volkswagen in Niedersachsen für die Verfahren zuständig. Bisher wurden in ähnlichen Prozessen sowohl Führungskräfte als auch technische Mitarbeiter verurteilt. Die Urteile reichten von Bewährungsstrafen bis zu mehreren Jahren Haft.
Die Aufarbeitung des Skandals ist noch lange nicht abgeschlossen. Neben den strafrechtlichen Verfahren laufen weiterhin zivilrechtliche Klagen von Investoren und betroffenen Kunden. Die Dieselaffäre bleibt ein zentrales Thema für die deutsche Justiz und die Automobilbranche.

