Bonnie Tyler (†75): Pop-Ikone in Portugal gestorben
Faro, 9. Juli 2026
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Kurzfassung
Die walisische Sängerin Bonnie Tyler ist im Alter von 75 Jahren in einem Krankenhaus in Portugal gestorben. Ihre Familie bestätigte den Tod am Donnerstag über die offizielle Website der Künstlerin.
Die britische Rock- und Popsängerin Bonnie Tyler ist im Alter von 75 Jahren unerwartet in einem Krankenhaus in Portugal gestorben, wie ihre Familie am Donnerstag über die offizielle Website der Künstlerin mitteilte.
Todesursache und letzte Wochen
Wie aus einer Erklärung hervorgeht, die am Donnerstag auf der Website der Sängerin sowie über ihr Facebook-Profil veröffentlicht wurde, starb Bonnie Tyler in der Nacht zuvor in einem Krankenhaus in Portugal. «Bonnie's family and team are heartbroken to announce that Bonnie unexpectedly passed away last night in hospital in Portugal as a result of the illness that she was being treated for», heißt es in der Mitteilung. Die offizielle Website der Künstlerin war nach der Bekanntgabe wegen der hohen Zugriffszahlen zeitweise nicht erreichbar.
Herkunft und Anfänge in Wales
Bonnie Tyler, die mit bürgerlichem Namen Gaynor Hopkins hieß, wurde am 8. Juni 1951 als Tochter eines walisischen Bergarbeiters in Skewen nahe Swansea geboren. Sie wuchs nach eigenen Angaben «in einer Arbeiterfamilie» auf, in einer Siedlung mit öffentlichen Wohnungen und einer Toilette im Freien. Die Frankfurter Rundschau bezeichnete sie wegen ihres rauchig-rauen Timbre einmal als «Janis Joplin der Waschmittelreklame». Mit ihrer rauen Stimme, ihren grossen Gesten und Hits wie «Total Eclipse of the Heart» wurde Bonnie Tyler zum Pop-Star.
Ihre Karriere hatte in einem kleinen Klub im Süden von Wales begonnen, wo sie als Countrysängerin auftrat. Mitte der 1970er Jahre wurde sie von einem Talentsucher entdeckt, der sie unter dem Künstlernamen Sherene Davis in London zu Demoaufnahmen ins Studio holte. Mit der Bühne vertraut, sang sie bereits seit Jahren in Pubs, bevor sie den Schritt auf Aufnahmen wagte: «Ich habe sieben Jahre lang in Clubs gesungen und nie eine Aufnahme zu einem Plattenverlag geschickt», sagte sie später. Der Wechsel zu CBS Records brachte die entscheidende Wende. 1977 schaffte sie mit «It's a Heartache» den internationalen Durchbruch; der Song erreichte Spitzenpositionen in zahlreichen Ländern.
Die Stimme als Markenzeichen
Eine Stimmbandoperation veränderte ihr Gesangsorgan unwiderruflich. Nach der Entfernung von Knötchen an den Stimmbändern habe sie das ärztliche Schweigegebot nicht eingehalten, woraufhin sich ihre Stimme dauerhaft rau und heiser entwickelte. Diese raue Färbung wurde zu ihrem Markenzeichen und prägte ihren weltweiten Erfolg. In einem Interview sagte sie später: «Das Geheimnis meiner Stimme? Mein Vocal-Coach!»
Der Durchbruch mit «Total Eclipse of the Heart»
Zu Beginn der 1980er Jahre baute sie ihren Sound mit dem Produzenten und Songwriter Jim Steinman um, der zuvor für Meat Loaf gearbeitet hatte. Steinman schrieb für sie den Welthit «Total Eclipse Of The Heart», den er ursprünglich für Meat Loaf komponiert hatte, der den Song wegen Stimmproblemen jedoch nicht aufnehmen konnte. Das Lied, das 1983 als erste Single ihres fünften Studioalbums «Faster Than the Speed of Night» erschien, erreichte Platz eins in den USA, Großbritannien und Australien, hielt sich wochenlang in den Charts und brachte Bonnie Tyler zwei Grammy-Nominierungen ein – für die beste Pop-Sängerin und die beste Rock-Sängerin. Das dazugehörige Musikvideo, gedreht in einer ehemaligen gotischen Anstalt in Surrey, England, wurde mittlerweile mehr als eine Milliarde Mal aufgerufen; auf Spotify verzeichnet der Titel fast 1,2 Milliarden Streams.
Mit «Holding Out for a Hero», das Steinman für den Soundtrack des Tanzfilms «Footloose» aus dem Jahr 1984 produzierte, schrieb Bonnie Tyler einen weiteren Welthit. Im selben Zeitraum lehnte sie zudem den Titelgesang für den James-Bond-Film «Never Say Never Again» ab, weil sie vom Song nicht überzeugt war. Das Album «Faster Than the Speed of Night», das überwiegend aus Coverversionen bestand, wurde von der Kritik positiv aufgenommen und brachte ihr zusätzliche Grammy-Nominierungen ein.
Comeback mit Dieter Bohlen
Nach dem Flop des Albums «Hide Your Heart» im Jahr 1988 zog sich Tyler zunächst aus dem internationalen Musikgeschäft zurück. Anfang der 1990er Jahre feierte sie dann gemeinsam mit dem deutschen Produzenten Dieter Bohlen ein Comeback in den europäischen Charts. Das gemeinsam produzierte Album «Bitterblue» wurde vor allem in Deutschland ein Erfolg. In einem Rückblick sagte sie später über diese Phase: «Ich hatte das nicht mehr seit 'Total Eclipse' in den 80ern, aber die Songs sind so energiegeladen und rockig, dass es auch klingt wie die 80er.»
Insgesamt 18 Studioalben und mehr als 80 Singles umspannte ihre Karriere, die sich über fünf Jahrzehnte erstreckte. Neben ihren drei größten Hits – «It's a Heartache», «Total Eclipse of the Heart» und «Holding Out for a Hero» – umfasste ihr Repertoire auch Duette mit Künstlern wie Rod Stewart, Cliff Richard und Francis Rossi von Status Quo. 2017 trat sie im Rahmen einer «Total Eclipse Cruise» an Bord des Kreuzfahrtschiffs «Oasis of the Seas» mit Joe Jonas' Band DNCE auf.
Auftritt beim Eurovision Song Contest
Im Jahr 2013 vertrat Bonnie Tyler Großbritannien beim Eurovision Song Contest im schwedischen Malmö mit dem Titel «Believe in Me», der von ihrem zwölften Studioalbum stammte. Mit 62 Jahren erreichte sie den 19. Platz unter 26 Beiträgen. Über den Song sagte sie später: «Den Song 'Believe In Me' singe ich schon lange nicht mehr.»
Bonnie Tyler war zudem für ihren sozialen Einsatz bekannt und unterstützte über Jahrzehnte verschiedene karitative Organisationen. Im Jahr 2019 gab sie vor Papst Franziskus ein Weihnachtskonzert im Vatikan und wirkte zudem an Benefizprojekten mit. Im selben Jahr erschien das Album «Between the Earth and the Stars», das unter anderem Duette mit Rod Stewart, Cliff Richard und Francis Rossi enthielt. 2026 steuerte sie den Song «One World One Home» zur Dokumentation «Homeless» über Obdachlosigkeit bei. Für ihre Verdienste um die Musik wurde sie im Jahr 2023 von Königin Elisabeth II. mit einem MBE ausgezeichnet; zuvor war sie bereits anlässlich des 70. Thronjubiläums der Königin im Jahr 2022 in den Order of the British Empire aufgenommen worden.
Absage der Tournee 2026
Bis kurz vor ihrem Tod war Bonnie Tyler auf der Bühne aktiv. Nach einer Knieoperation hatte sie 2025 eine Bühnenpause eingelegt und im selben Jahr drei Konzerte in Österreich gegeben. Anfang 2025 erschien die Single «Yes I Can», eine Zusammenarbeit des Produzenten David Mackay mit dem Tiroler Songwriter Patrick Schmiderer. Für 2026 war eine große Europatournee geplant, die für den Sommer jedoch abgesagt werden musste.
Hintergrund war eine schwere Erkrankung. Anfang Mai 2026 musste sich Tyler in einem Krankenhaus in Faro an der portugiesischen Algarve-Küste einer Notoperation am Darm unterziehen. Anschließend wurde sie wochenlang ins künstliche Koma versetzt. Nach dem Eingriff sagte sie alle Sommerkonzerte ab. Im Herbst wären weitere Auftritte geplant gewesen, darunter ein Konzert am 24. November im Wiener Gasometer. Auch Konzerte in Deutschland standen auf dem Programm. «Ich gehe niemals in Pension. Ich singe, solange meine Stimme hält», hatte sie noch kurz zuvor gesagt.
Privatleben und Vermächtnis
Bonnie Tyler lebte zuletzt abwechselnd an der Südküste von Wales und an der Algarve in Portugal, wo sie mit ihrem Ehemann Robert Sullivan ein Haus mit Meerblick und Swimmingpool bewohnte. In den Lockdowns während der COVID-19-Pandemie hatte sie dort schwimmen gelernt. Ihr Mann, ein britischer Judoka und Cousin des Vaters von Catherine Zeta-Jones, war seit 1973 mit ihr verheiratet. Die beiden waren über 50 Jahre verheiratet und hatten keine Kinder. «Kinder waren mir leider nicht vergönnt!», sagte Tyler in einem Interview. «Ich habe sechs wunderbare Nichten und Neffen. Einer lebt ja schon seit vielen Jahren bei uns und wurde für mich fast zum Sohn.»
Die Sängerin Bonnie Tyler verkörperte den Überschwang der achtziger Jahre. Mit Songs wie «Total Eclipse of the Heart» und «Holding Out for a Hero» prägte sie eine ganze Ära des Pop und Rock. Das Rolling Stone Magazine bezeichnete «Total Eclipse Of The Heart» als «Power-Balladen-Armageddon», während Stereogum das Stück als «extinction-level event rendered in musical form» und «pop music as heart-pounding, chest-thumping, blood-gargling, heavens-falling passion explosion» würdigte. Generationen von Hörern werden mit ihrer rauen Stimme Erinnerungen an große Emotionen verbinden.
Auch im deutschsprachigen Raum hinterließ Tyler Spuren: Der Song «Total Eclipse Of The Heart» wurde als musikalisches Quellmaterial für das Wiener Musical «Tanz der Vampire» verwendet. In den 1990er Jahren arbeitete sie mehrfach mit Dieter Bohlen zusammen. In Interviews zeigte sie sich über die Jahre hinweg nahbar und humorvoll: «Wenn ich lese oder höre, dass ich bereits über 70 bin, dann denke ich immer die müssen von jemand anderem sprechen. (lacht) Ich fühle mich noch immer wie 40.»
Über den Song «It's a Heartache», in dem es über enttäuschte Liebe heißt «It's a fool's game» (ein Narrenspiel), hinaus umfasste ihr Werk auch Lieder, die bis heute auf Plattformen wie Spotify millionenfach gestreamt werden. Noch zu Lebzeiten sagte sie über ihre alten Klassiker: «Ich liebe es, all die alten Klassiker, die auch alle Fans lieben, zu singen. Das wird mir niemals langweilig. Vor allem 'Total Eclipse Of The Heart'. Oder 'The Best'.» «The Best» hatte sie 1988 selbst aufgenommen, bevor Tina Turner den Song ein Jahr später zu einem noch größeren Hit machte – ein Umstand, den Tyler nicht vergaß: «Viele haben vergessen, dass ich das eigentlich vor Tina Turner gesungen habe.»
Fragen & Antworten
Wer war Bonnie Tyler?
Bonnie Tyler, bürgerlich Gaynor Hopkins, war eine walisische Rock- und Popsängerin, die am 8. Juni 1951 als Tochter eines Bergarbeiters in Skewen nahe Swansea geboren wurde und mit Hits wie «Total Eclipse of the Heart» und «Holding Out for a Hero» weltberühmt wurde.
Woran ist Bonnie Tyler gestorben?
Bonnie Tyler starb im Alter von 75 Jahren an den Folgen einer Erkrankung, wegen der sie in einem Krankenhaus in Portugal behandelt wurde, wie ihre Familie in einer Erklärung auf der offiziellen Website mitteilte.
Welche geplanten Auftritte fallen nun aus?
Die für den Sommer 2026 geplante Europatournee war bereits nach ihrer Notoperation und der anschließenden künstlichen Beatmung abgesagt worden; weitere Auftritte, darunter ein Konzert am 24. November im Wiener Gasometer, waren für den Herbst vorgesehen.
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