Blitzeinschlag Rastatt Zeltlager: 9 Verletzte nach Gewitter | nachrichten360
Blitzeinschlag in Rastatter Zeltlager: Neun Verletzte nach schwerem Gewitter in Baden-Württemberg
Stuttgart, 20. Juni 2026
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Kurzfassung
Beim Blitzeinschlag in ein Zeltlager während eines Handballfests in Rastatt-Niederbühl sind neun Menschen verletzt worden, einer davon schwer. In Münsingen im Landkreis Reutlingen traf ein weiterer Blitz eine Frau auf einem Sportplatz, zudem fiel in Teilen der Stadt der Strom aus.
Bei einem Blitzeinschlag in ein Zeltlager auf einem Sportplatz im Rastatter Stadtteil Niederbühl sind in der Nacht zum Samstag neun Menschen verletzt worden, einer von ihnen schwer.
Hintergrund: Blitzeinschlag in Rastatt-Niederbühl
Wie die Polizei mitteilte, zelteten mehrere Kinder und Erwachsene im Rahmen eines Handballfests auf dem Sportplatz, als ein starkes Unwetter über die Region zog. Ein Sprecher der Polizei sagte, sechs der neun Verletzten seien in ein Krankenhaus gebracht worden. In Lebensgefahr schwebt den Angaben nach jedoch niemand. Ein 13-jähriger Jugendlicher befinde sich unter den Verletzten, wie ein Sprecher der Polizei dem SWR bestätigte.
Nach Darstellung der Polizei gegenüber dem SWR hatten mehrere Teilnehmer noch versucht, die Zelte gegen Sturm und Starkregen zu sichern, als der Blitz in unmittelbarer Nähe einschlug. Bei dem Unwetter in Rastatt wurden einige Zelte umgerissen. Zahlreiche Rettungskräfte standen im Einsatz, um die Verletzten zu versorgen. Mehrere Betroffene mussten in ein Krankenhaus gebracht werden. Über die Schwere der Verletzungen lagen zunächst keine Details vor; später erklärten die Behörden, Lebensgefahr habe nicht bestanden.
Münsingen: Stromausfall und verletzte Frau
Einen weiteren Blitzeinschlag gab es in Münsingen im Landkreis Reutlingen, der eine Frau auf einem Sportplatz im Stadtteil Dottingen leicht verletzte. Der Rettungsdienst brachte sie in ein Krankenhaus. Der Polizeisprecher sagte dem SWR am Samstagmorgen, der genaue Standort der Blitzeinschläge in Münsingen sei unbekannt, das Umspannwerk sei unbeschädigt.
Infolge zweier Blitzeinschläge fiel am Freitagabend in weiten Teilen Münsingens der Strom aus. Betroffen waren nach Polizeiangaben die Stadtteile Bichishausen und Apfelstetten, die zeitweise ohne Strom und teilweise ohne Internet waren. Die Stromversorgung wurde den Angaben zufolge nach rund 90 Minuten wiederhergestellt. Zunächst hatte die Polizei dem SWR mitgeteilt, Blitze hätten Umspannwerke in Münsingen getroffen.
Wetterlage: Hitze als Auslöser
Dem Unwetter waren hochsommerliche Temperaturen von teils deutlich über 30 Grad vorausgegangen. Am Freitag wurden in Baden-Württemberg laut Deutschem Wetterdienst (DWD) verbreitet Werte über 35 Grad gemessen; der Spitzenwert wurde mit 37,5 Grad in Waghäusel-Kirrlach im Landkreis Karlsruhe registriert. Am Vortag war die bundesweit höchste Temperatur mit 38,5 Grad in Kitzingen bei Würzburg gemessen worden.
Im Laufe des frühen Abends entwickelte sich dem DWD zufolge eine Gewitterzelle über der Schwäbischen Alb, der Westschweiz und dem Bodensee. Heiße Luft traf auf kühlere Luftmassen und kann innerhalb kurzer Zeit heftige Gewitter mit Blitzschlag, Starkregen und Sturmböen auslösen. Der DWD kündigte Starkregen mit bis zu 25 Litern pro Quadratmeter und Stunde und Hagel mit Korngrößen von einem bis zwei Zentimetern an.
Der DWD rechnete für Samstag mit weiteren Gewittern. Am Spätnachmittag und Abend seien dann auch in den übrigen Regionen – abgesehen vom äußersten Nordwesten – erneut einzelne kräftige Gewitter möglich, „allerdings nur sehr kleinräumig und bei Weitem nicht überall". Von den Mittelgebirgen bis zu den Küsten könnten sie gebietsweise kräftig ausfallen, Unwetter seien nicht ausgeschlossen.
DWD-Prognose: Weitere Gewitter und Hitzerekord möglich
Die Gewitterfront werde langsam in Richtung Osten ziehen, hieß es vom DWD. „Dort dann im Laufe des Nachmittags Intensivierung und vereinzelte Unwetter wahrscheinlich". Am Sonntag ziehen laut den Wetterexperten nach viel Sonne Schauer und „örtlich kräftige Gewitter" auf. Der DWD erwartet für das Wochenende Höchsttemperaturen bis 38 Grad und warnte vor einer möglichen Überschreitung des Junihitzerekords in Baden-Württemberg am Sonntag und Montag. Für alle Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg wurde eine Hitzewarnung herausgegeben.
Der DWD wies zudem auf eine hohe bis sehr hohe Waldbrandgefahr in weiten Teilen Baden-Württembergs hin. In dicht bebauten Gebieten wie Stuttgart oder Karlsruhe komme eine zusätzliche Belastung hinzu, weil sich die Nächte weniger abkühlten. Auf seiner Website erklärte der DWD, Hitzebelastung sei eine ernste Gefahr für die menschliche Gesundheit und betreffe besonders ältere und pflegebedürftige Menschen.
Auswirkungen in Mannheim, Neuruppin und Walldürn
Auch andernorts schlugen die Unwetter zu Buche. In Mannheim oder im brandenburgischen Neuruppin gab es Schäden durch umgestürzte Bäume und überflutete Straßen. In Mannheim zählte die Feuerwehr in der Nacht zu Samstag bis Mitternacht 35 Einsätze, vor allem wegen umgestürzter Bäume auf Schienen, Autos, Gebäude und Straßen; Verletzte gab es dort nicht. In Walldürn im Neckar-Odenwald-Kreis lief ein Keller voll Wasser.
Feste geräumt: Viöl und Southside-Festival
In Schleswig-Holstein wurde südlich von Flensburg ein Festival zwischenzeitlich geräumt. In Viöl südlich von Flensburg wurde indes ein Festival mit rund 5.000 Besuchern in der Nacht zu Samstag wegen eines Sturms geräumt. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, wurden 13 Menschen bei dem Sturm leicht verletzt. Für die Festival-Besucher wurde zwischenzeitlich eine Sammelstelle eingerichtet. Mittlerweile durften die Menschen zurück auf das Gelände.
Ebenfalls unterbrochen werden musste das Southside-Festival in Neuhausen ob Eck im Landkreis Tuttlingen, das am Freitagabend Zehntausende Besucher anlockte. Auch unweit des Bodensees zog eine Unwetterfront auf. Die Besucher wurden aufgefordert, Schutz in ihren Fahrzeugen zu suchen und dabei auch anderen Menschen Platz anzubieten. Nach rund zwei Stunden setzten die Veranstalter das Programm wieder fort. Vom Hurricane Festival zwischen Hamburg und Bremen hieß es, es habe trotz eines morgendlichen Gewitters offenbar keine Vorfälle gegeben.
Rheinland-Pfalz: Hochwasser im Rhein-Lahn-Kreis
Besonders betroffen von den Unwettern war in Rheinland-Pfalz der Rhein-Lahn-Kreis, wo mehrere kleine Flüsse über die Ufer traten. In Rheinland-Pfalz zogen schwere Unwetter mit Starkregen über Teile des Bundeslandes und führten zu schweren Überschwemmungen. Die Pegelstände der Flüsse Dörsbach, Mühlbach und Ahr stiegen am Freitagabend binnen kürzester Zeit stark an; die Messstelle beim Kloster Arnstein zeigte, wie schnell der Pegelstand des Dörsbachs stieg: Der Wasserstand lag gegen 17 Uhr noch bei 27 Zentimetern.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hatte bereits am Abend zeitweise vor einem Extremhochwasser gewarnt. Eine Sprecherin des Rhein-Lahn-Kreises sprach auf Grundlage vorläufiger Daten von einem statistisch 50-jährigen Hochwasserereignis. In Seelbach im Rhein-Lahn-Kreis setzte der Starkregen Straßen unter Wasser, die Feuerwehr wurde zu Dutzenden Einsätzen gerufen, größere Schäden blieben aber aus. Im Laufe der Nacht fielen die Pegelstände wieder.
Im Raum Katzenelnbogen musste wegen der Überflutungsgefahr ein Mittelaltermarkt kurzfristig abgesagt werden; auch ein Zeltlager wurde vorsorglich evakuiert. Meteorologen warnen regelmäßig davor, bei Gewittern offene Flächen, Zelte oder Bäume als Schutz aufzusuchen. Besonders bei Outdoor-Aktivitäten, Festivals, Campingurlauben oder Sportveranstaltungen sollte die Wetterentwicklung genau beobachtet werden.
Der Vorfall ist auch für Österreich eine Warnung. Nach mehreren heißen Tagen steigt hierzulande ebenfalls die Gefahr kräftiger Gewitter. Experten warnen vor Blitzschlag, Hagel, Starkregen und Sturmböen. Vor allem in den Alpenregionen sowie im Osten des Landes können sich in den kommenden Tagen lokal schwere Unwetter entwickeln.
In Südwest-Nordrhein-Westfalen zogen ebenfalls Gewitter durch, größere Schäden wurden bis zum Berichtszeitpunkt nicht gemeldet. In Baden-Württemberg gelten am Wochenende Hitzewarnungen für alle Stadt- und Landkreise; der DWD rechnet mit „schwül-heißen 30 bis 38 Grad", die höchsten Werte im Südwesten.
Fragen & Antworten
Was ist in Rastatt-Niederbühl passiert?
Bei einem Blitzeinschlag in ein Zeltlager auf einem Sportplatz im Rastatter Stadtteil Niederbühl wurden in der Nacht zum Samstag neun Menschen verletzt, einer davon schwer. Sechs Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht, Lebensgefahr bestand nach Angaben der Behörden nicht.
Wer ist unter den Verletzten in Rastatt?
Nach Polizeiangaben handelt es sich um acht Erwachsene und einen 13-jährigen Jugendlichen, die im Rahmen eines Handballfests auf dem Sportplatz übernachtet hatten. Die Teilnehmer hatten versucht, die Zelte gegen Sturm und Starkregen zu sichern, als der Blitz in unmittelbarer Nähe einschlug.
Welche Schäden gab es in Münsingen?
In Münsingen im Landkreis Reutlingen wurde eine Frau auf einem Sportplatz im Stadtteil Dottingen durch einen Blitz leicht verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Durch zwei Blitzeinschläge fiel am Freitagabend in weiten Teilen Münsingens der Strom aus, auch die Stadtteile Bichishausen und Apfelstetten waren zeitweise ohne Strom und teilweise ohne Internet; nach etwa 90 Minuten war die Versorgung wiederhergestellt.