Die Bank of Japan (BOJ) hat ihren Leitzins am Dienstag mit sieben zu einer Stimme auf den höchsten Stand seit 31 Jahren angehoben und reagiert damit auf den Preisdruck, der durch die drastisch gestiegenen Energiepreise infolge des Krieges im Iran ausgelöst wurde.
Die japanische Zentralbank (BOJ) hat ihren Leitzins heute mit sieben zu einer Stimme auf den höchsten Stand seit 31 Jahren angehoben, wie die Notenbank in Tokio mitteilte. Der kurzfristige Zinssatz steigt demnach von 0,75 Prozent auf 1,0 Prozent. Sein Stellvertreter Shinichi Uchida übernimmt nach dem zweitägigen Treffen die Kommunikation der Beschlüsse.
Die Entscheidung fiel in Abwesenheit von Notenbankchef Kazuo Ueda, der derzeit im Krankenhaus behandelt wird. Trotz der Straffung blieben die Finanzierungsbedingungen vorerst locker, erklärte die BOJ. Dennoch werde die Notenbank den Leitzins abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung weiter anheben.
Hintergrund: Uedas Abwesenheit und die Rolle Uchidas
Damit reagieren die Währungshüter auf den Preisdruck, der durch die drastisch gestiegenen Energiepreise infolge des Krieges im Iran ausgelöst wurde. Die Weitergabe der gestiegenen Ölpreise erfolge relativ schnell und berge das Risiko, dass die Inflation das Ziel von zwei Prozent deutlich übersteige, hieß es zur Begründung.
Dass Unternehmen die höheren Kosten bereits weitergeben, zeigte sich im Mai, als die Großhandelsinflation auf ein Drei-Jahres-Hoch von 6,3 Prozent kletterte. Ein schwacher Yen verteuert die ohnehin hohen Energieimporte für das Land zusätzlich.
Inflationsentwicklung und Konjunktureinschätzung
Die Währungshüter gehen davon aus, dass die Kerninflation schrittweise steigen und zwischen der zweiten Hälfte des Fiskaljahres 2026 und dem Fiskaljahr 2027 das Zielniveau von zwei Prozent erreichen wird. Die Gefahr einer deutlichen Abschwächung habe sich jedoch verringert.
Die japanische Wirtschaft hat sich der BOJ zufolge moderat erholt, auch wenn das Wachstum künftig etwas an Fahrt verlieren dürfte. Die Zentralbank betonte, sie werde die Auswirkungen der Lage im Nahen Osten sowie die weltweite Nachfrage im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) genau beobachten.
Abstimmung mit der Regierung und Ausblick
Wirtschaftsminister Minoru Kiuchi, der als einer von zwei Regierungsvertretern ohne Stimmrecht an der Zinssitzung teilnahm, betonte am Dienstag die Notwendigkeit einer engen Abstimmung. „Wir hoffen sehr, dass die BOJ kommuniziert und eng mit der Regierung zusammenarbeitet", sagte er.
Im Fokus der Finanzmärkte steht nun, wie sich das Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran auf den weiteren Zinspfad auswirken wird. Mit dem Zinsschritt schließt sich die BOJ anderen großen Zentralbanken wie der Europäischen Zentralbank (EZB) an, die ihre Geldpolitik zur Inflationsbekämpfung ebenfalls gestrafft haben.
