Stromausfall in Reutlingen: LKA ermittelt wegen möglicher Brandstiftung, Versorgung für Unternehmen ab Mittwoch geplant
Reutlingen, 09. Juni 2026
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Kurzfassung
Nach dem Brand im Umspannwerk Reutlingen-West mit einem großflächigen Stromausfall ermittelt das LKA Baden-Württemberg wegen des Verdachts einer vorsätzlichen Brandlegung. Während 99 Prozent der Privathaushalte inzwischen wieder Strom haben, sollen betroffene Unternehmen ab Mittwoch wieder ans Netz gehen.
Nach dem Brand im Umspannwerk Reutlingen-West, der einen großflächigen Stromausfall ausgelöst hatte, ermittelt das Landeskriminalamt Baden-Württemberg wegen des Verdachts der vorsätzlichen Brandlegung und konzentriert die Spurensicherung auf einen möglichen Brandbeschleuniger.
In der Nacht zum Montag war im Umspannwerk Reutlingen-West ein Feuer ausgebrochen, das die Anlage ausfallen ließ und eine weitere Einrichtung in Mitleidenschaft zog. Zeitweise waren Zehntausende Menschen ohne Strom, auch ein Krankenhaus war betroffen. Nach Angaben von Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) waren rund 7600 Gebäude und etwa 40000 Menschen von dem Ausfall betroffen. Die Stadt Reutlingen hat insgesamt knapp 120000 Einwohner und liegt am Fuße der Schwäbischen Alb.
Brand im Umspannwerk und Ausmaß des Ausfalls
Das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg teilte mit, die Hinweise auf eine mögliche Brandstiftung verdichteten sich. „Nach dem Brand in einem Umspannwerk mit großflächigem Stromausfall in Reutlingen verdichten sich die Hinweise auf eine mögliche Brandstiftung. Ermittler konnten einen möglichen Brandbeschleuniger sichern“, hieß es. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf den Verdacht der vorsätzlichen Brandlegung sowie der gezielten Störung öffentlicher Betriebe. Die kriminaltechnischen Untersuchungen am Tatort, einschließlich des Einsatzes eines Brandmittelspürhundes, seien noch nicht abgeschlossen.
Innenminister Hagel sagte, es stehe der Verdacht einer vorsätzlichen Tat und der Störung öffentlicher Betriebe im Raum. „Hagel sagte, man werde den Fall ergebnisoffen in alle Richtungen untersuchen - also auch, ob ein Brandanschlag oder gar ein terroristischer Akt dahinterstecken könnte“, hieß es. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach im ZDF von einem wahrscheinlichen Brandanschlag und verwies auf Parallelen zu früheren Vorfällen. „Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach im ZDF von einem wahrscheinlichen Brandanschlag“, berichtete die Deutsche Presse-Agentur.
Politische Reaktionen: Zurückhaltung und Kritik
Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) äußerte sich zurückhaltender und vermied den Begriff „Brandanschlag“. „Die Polizei ermittelt noch in alle Richtungen“, sagte Özdemir. Er betonte zugleich, kritische Infrastruktur lasse sich nur bis zu einem gewissen Maß schützen: „Die Vorstellung, dass wir alle Umspannwerke quasi von der Öffentlichkeit abschirmen, die ist kaum durchsetzbar.“ Bei der Landespressekonferenz sagte er, es gehe darum, die Resilienz zu stärken; Sicherheit umfasse inzwischen auch Cybersicherheit, Desinformation und Infrastruktur.
Die Ermittlungen führt das Staatsschutzzentrum der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart, da der Tat möglicherweise eine extremistische Motivation zugrunde liegt. „Der Staatsschutz und das Antiterrorzentrum beim LKA ermitteln“, erklärte die Behörde. „Das LKA teilte mit, bislang gebe es weder Hinweise auf Tatverdächtige noch auf ein Motiv.“ Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart sagte, eine Bekennung zur Tat sei bislang nicht bekannt. Auch ein Sprecher des LKA erklärte, es gebe keine Hinweise auf einen politischen Hintergrund und kein Bekennerschreiben. „Alle Spuren würden nun ausgewertet“, teilte das LKA mit.
Ermittlungen und Parallelen zu Berlin
Der Vorfall weckt Erinnerungen an zwei mutmaßlich von Linksextremisten begangene Brandanschläge auf die Stromversorgung in Berlin. „Der Vorfall erinnert an zwei mutmaßlich von Linksextremisten begangene Brandanschläge auf die Stromversorgung in Berlin“, hieß es. Nach dem ersten Anschlag am 9. September 2025 auf zwei Strommasten waren zeitweise rund 50000 Privathaushalte und rund 2000 Gewerbebetriebe ohne Strom. „Der Ausfall dauerte rund 60 Stunden, erst am Nachmittag des 11. September waren alle Haushalte wieder am Netz“, erklärte die Deutsche Presse-Agentur. Beim zweiten Anschlag am 3. Januar wurden 15 Kabel auf einer Kabelbrücke zerstört. „Erst am 7. Januar, also nach rund 100 Stunden, war die Stromversorgung wieder flächendeckend hergestellt“, hieß es weiter.
Am Montagmorgen war die Stromversorgung in Teilen der Kernstadt und dem dortigen Krankenhaus wieder hergestellt. Am Nachmittag wurde dann ein großer Teil der Privathaushalte in Betzingen und Ohmenhausen wieder ans Elektrizitätsnetz angeschlossen. „Auch Schulen und Kindergärten seien dort wieder mit Strom versorgt, teilte die Stadtverwaltung mit“, hieß es. In den Gemeinden Kirchentellinsfurt und Wannweil konnten wieder große Teile der betroffenen Wohngebiete provisorisch versorgt werden sowie auch einzelne Gewerbegebiete, wie Netze BW mitteilte. Auch Teile der Nachbargemeinden Wannweil und Kirchentellinsfurt waren von dem Stromausfall betroffen.
Wiederherstellung der Versorgung
Die Netzbetreiber FairNetz und Netze BW betreiben das vom Brand betroffene Umspannwerk gemeinsam. Im Umspannwerk West sind nach Angaben von Netze BW derzeit noch beide Transformatoren beschädigt; mindestens ein funktionierender Transformator ist für eine vollständige Stromversorgung notwendig. Richard Huber, Leiter Systemübergreifende Infrastruktur bei Netze BW, sagte auf einer Pressekonferenz: „Hoffentlich ist die Vollversorgung morgen wiederhergestellt“. 99 Prozent der Privathaushalte in Reutlingen sind inzwischen wieder mit Strom versorgt. Allerdings sind rund 50 Gewerbekunden in Reutlingen weiterhin ohne Strom; FairNetz arbeitet gemeinsam mit Netze BW an einer Lösung.
Marius Häusermann vom Netzbetreiber FairNetz erklärte dem SWR, dass für die betroffenen Gewerbekunden mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet werde. „Bei über 50 Mittelspannungskunden wird gemeinsam mit Netze BW noch an einem Anschluss gearbeitet“, erklärte FairNetz. Strom für die Reutlinger Unternehmen soll ab Mittwoch wieder fließen, mit dem Ziel der vollständigen Wiederherstellung der Versorgung. Die Bosch-Werke in Reutlingen und Kusterdingen waren ebenfalls vom Stromausfall betroffen. Das Werk in Reutlingen fährt langsam wieder hoch, in Kusterdingen arbeiten Beschäftigte soweit möglich von zu Hause.
Sicherheitsdebatte um kritische Infrastruktur
Der Netzbetreiber Netze BW erklärte, Sicherheitsdienste an Umspannwerken seien momentan nicht vorgesehen und man müsse wegen der Kosten mit der Politik sprechen. „Beim Umspannwerk in Reutlingen lag laut Netze BW kein besonderer Sicherheitsschwerpunkt vor“, hieß es. Das Sicherheitskonzept der Netze BW ist je nach Anlage abgestuft; Faktoren sind unter anderem die Größe eines möglichen Versorgungsausfalls und betroffene Kunden wie Forschungsinstitute oder Rüstungsindustrie. Richard Huber erklärte, Schutz vor gezielter Sabotage sei bisher keine Anforderung gewesen und müsse nachgeschärft werden; ein vollständiger Schutz sei vermutlich nicht möglich. Jörg Reichert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Netze BW, sagte, beim Schutz kritischer Infrastruktur gebe es Schnittstellen zu staatlichen Behörden und private Unternehmen stießen an Grenzen.
Die Feuerwehr Reutlingen ist seit Beginn des Stromausfalls durchgehend im Einsatz und hat den Führungsstab über die Nacht weiterbetrieben. Die Polizei bleibt zum Schutz vor Plünderungen während des Stromausfalls in Reutlingen weiter im Einsatz. Eine Polizei-Einsatzhundertschaft wurde nach Reutlingen entsandt, um eine sichtbare Präsenz an kritischer Infrastruktur und in den betroffenen Gebieten sicherzustellen. Cem Özdemir erklärte, die Strategie habe sich im aktuellen Fall bewährt; die Polizei sei schnell präsent gewesen, sodass niemand den Stromausfall habe ausnutzen können.
Schadensbilanz und Ausblick
Die Reparaturkosten sind laut Netze BW noch nicht zu beziffern, werden aber voraussichtlich im Millionenbereich liegen. Die Deutsche Presse-Agentur berichtete, der Schaden durch Feuer und Stromausfall belaufe sich auf mehrere Millionen Euro. Laut Netze BW werden die Arbeiten voraussichtlich über Monate andauern, bis der Gesamtschaden behoben ist, was für die Kunden aber nicht spürbar sein werde. „Die Reparaturarbeiten im Netz laufen unverändert intensiv weiter“, hieß es von dem Unternehmen. „Ziel ist es, die reguläre Versorgung schnellstmöglich wiederherzustellen.“ Fast alle Privathaushalte hatten am Vorabend ab etwa 22 Uhr wieder Strom; sie werden allerdings weiterhin aufgefordert, sparsam zu sein, da das provisorische Netz nicht auf hohe Leistungen ausgelegt ist.
„Die Vorstellung, dass wir alle Umspannwerke quasi von der Öffentlichkeit abschirmen, die ist kaum durchsetzbar“, bekräftigte Özdemir bei der Landespressekonferenz. Die Strategie im aktuellen Fall in Reutlingen habe sich bewährt; die Polizei sei schnell präsent gewesen, sodass niemand den Stromausfall ausnutzen konnte, sagte der Ministerpräsident weiter. Er kündigte an, dass über den Schutz kritischer Infrastruktur mit den Netzbetreibern gesprochen werden müsse. Auch Dobrindt hatte zuvor von einem Brandanschlag gesprochen und gesagt, das Vorgehen in Reutlingen erinnere an vergangene Brandanschläge. Innenminister Hagel betonte, es sei zu früh für abschließende Bewertungen; die Ermittlungen liefen ergebnisoffen in alle Richtungen.
Die Bürgerinnen und Bürger in Reutlingen und Umgebung müssen sich vorerst auf eine eingeschränkte Stromversorgung einstellen. Während die privaten Haushalte fast vollständig wieder versorgt sind, arbeiten FairNetz und Netze BW mit Hochdruck daran, auch die verbliebenen Gewerbekunden anzuschließen. Die vollständige Wiederherstellung der Versorgung wird für Mittwoch angestrebt. Die abschließenden Ermittlungsergebnisse des LKA und der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart stehen noch aus. Wann die beschädigten Transformatoren im Umspannwerk West vollständig repariert oder ersetzt sein werden, ist derzeit noch offen.
Fragen & Antworten
Was ist im Umspannwerk Reutlingen-West passiert?
In der Nacht zum Montag brach im Umspannwerk Reutlingen-West ein Feuer aus, durch das die Anlage ausfiel und eine weitere Einrichtung in Mitleidenschaft gezogen wurde. Zeitweise waren rund 40000 Menschen und etwa 7600 Gebäude ohne Strom, auch ein Krankenhaus war betroffen.
Wer ermittelt in dem Fall und was ist der aktuelle Stand?
Ermittelt werden das Landeskriminalamt Baden-Württemberg, der Staatsschutz und das Antiterrorzentrum; das Verfahren wird vom Staatsschutzzentrum der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart geführt. Hinweise auf Tatverdächtige, ein Motiv oder ein Bekennerschreiben gibt es bislang nicht, die Spurensicherung mit einem Brandmittelspürhund ist noch nicht abgeschlossen.
Wann ist die Stromversorgung in Reutlingen wieder vollständig hergestellt?
99 Prozent der Privathaushalte sind nach Angaben der Betreiber bereits wieder am Netz; für rund 50 Gewerbekunden soll die Versorgung ab Mittwoch wiederhergestellt werden. Die vollständige Reparatur der beschädigten Transformatoren im Umspannwerk West wird laut Netze BW voraussichtlich Monate dauern.
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