Høiby: Oslo ordnet Freilassung an, Staatsanwaltschaft legt Berufung ein
Oslo, 09 Juni 2026
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Kurzfassung
Ein Gericht in Oslo hat am Montagabend die Freilassung von Marius Borg Høiby aus der Untersuchungshaft angeordnet, damit der 29-Jährige die Zeit bis zur Urteilsverkündung bei seiner schwer erkrankten Mutter, Kronprinzessin Mette-Marit, verbringen kann. Die Staatsanwaltschaft legte noch am selben Abend Berufung mit aufschiebender Wirkung ein, sodass Høiby bis zur Entscheidung einer höheren Instanz in Haft bleibt. Das Urteil im Prozess um 40 Anklagepunkte, darunter vier Vergewaltigungen, wird für den 15. Juni erwartet.
Oslo, 09 Juni 2026
Ein Gericht in Oslo hat am Montagabend angeordnet, den 29-jährigen Marius Borg Høiby aus der Untersuchungshaft zu entlassen, damit er bei seiner schwer erkrankten Mutter, Kronprinzessin Mette-Marit, sein kann – die norwegische Staatsanwaltschaft legte jedoch umgehend Berufung mit aufschiebender Wirkung ein.
Hintergrund des Verfahrens
Die Entscheidung des Osloer Gerichts fiel am späten Montagabend. Richterinnen und Richter begründeten den Schritt mit dem drastisch verschlechterten Gesundheitszustand der Kronprinzessin. "Die Fortsetzung der Inhaftierung wäre nicht nur für Høiby, sondern auch für seine Mutter in der ohnehin schwierigen Lage, in der sie sich befinden, sehr belastend", hieß es in der Urteilsbegründung, die von der norwegischen Zeitung Verdens Gang zitiert wurde.
Marius Borg Høiby ist der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit aus einer Beziehung vor ihrer Ehe mit Kronprinz Haakon im Jahr 2001. Er gehört formal nicht zum norwegischen Königshaus. Seit Anfang Februar 2026 sitzt der 29-Jährige in Untersuchungshaft. Ihm werden 40 Straftaten zur Last gelegt, darunter vier Vergewaltigungen, die laut Anklage an schlafenden oder bewusstlosen Frauen begangen worden sein sollen. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sieben Monaten; die Höchststrafe für die erhobenen Vorwürfe beträgt 16 Jahre.
Gesundheitszustand der Kronprinzessin
Vor dem Osloer Bezirksgericht hatte Høiby am Montag persönlich ausgesagt. Der norwegische Sender NRK übertrug Aussagen, in denen er erklärte, die Haft sei für ihn kaum zu ertragen, solange seine Mutter so schwer krank sei. "Eingesperrt zu sein, während meine Mutter so krank ist, ist unerträglich", sagte er laut der APA-Berichterstattung. In einer weiteren Aussage formulierte er: "Da drinnen zu sitzen, während Mama so krank ist, ist nicht auszuhalten".
Høiby schilderte zudem, wie er seine Mutter am Sonntag bei einem kurzen Besuch außerhalb der Haft erlebt hatte. Das norwegische Königshaus hatte am Freitag öffentlich gemacht, dass sich der Zustand der Kronprinzessin in den vergangenen Tagen drastisch verschlechtert habe. Mette-Marit war im Dezember 2018 mit einer seltenen Form der Lungenfibrose diagnostiziert worden; bereits im vergangenen Dezember hatte das Königshaus mitgeteilt, dass sie eine neue Lunge benötige. In der vergangenen Woche wurde die 52-Jährige nach Angaben des Hofes auf die Warteliste für eine Lungentransplantation gesetzt. Im Alltag ist sie mittlerweile auf ein Sauerstoffgerät angewiesen.
Begründung des Gerichts
Das Gericht stellte in seiner Entscheidung zugleich fest, dass bei einer Freilassung von Høiby weiterhin ein Rückfallrisiko bestehe. Høiby wies diese Einschätzung zurück und erklärte vor Gericht, er würde "niemals etwas tun würde, dass die Situation verschlimmert. Das ist undenkbar für mich". Die Verteidigung hatte bereits im Plädoyer Freispruch von den schwersten Anklagepunkten gefordert. Høiby bestreitet die schwerwiegendsten Vorwürfe.
Der Antrag auf Haftentlassung war bereits im Mai gestellt und durch alle Instanzen bis zum Obersten Gerichtshof Norwegens abgelehnt worden. Damals hatte Høiby eine Freilassung mit elektronischer Fußfessel beantragt. Die Polizei hatte sich gegen eine Freilassung ausgesprochen und die Entscheidung dem Gericht überlassen. Mit der am Montag bekannt gewordenen, drastischen Verschlechterung des Gesundheitszustands der Kronprinzessin änderte sich die Grundlage des Antrags.
Berufung der Staatsanwaltschaft
Am Sonntag hatte Mette-Marit gemeinsam mit ihrem Ehemann Kronprinz Haakon ihren ältesten Sohn in der Haftanstalt besucht. Am Montag wurde Høiby demnach für einige Stunden aus dem Gefängnis entlassen, um an einer Informationsveranstaltung über den Gesundheitszustand seiner Mutter teilzunehmen. Das Treffen fand auf Skaugum statt, dem Sitz der Familie des Kronprinzen.
Bereits im Vorfeld der Entscheidung hatte Mette Yvonne Larsen, die Anwältin der früheren Freundin von Høiby, gegenüber der Zeitung Aftenposten erklärt, mehrere Personen aus dem Umfeld ihres Mandanten hätten in letzter Zeit versucht, ihre Mandantin dazu zu bewegen, das Kontaktverbot aufzuheben. "Sie hat gesagt, dass sie das Kontaktverbot aufrechterhalten möchte", zitierte Larsen ihre Mandantin. Høiby hatte das Kontaktverbot gegen die Ex-Freundin, die im Prozess auch als mutmaßliches Opfer aussagte, zuvor wiederholt verletzt.
Ausblick auf das Urteil am 15. Juni
Die Staatsanwaltschaft reagierte noch in der Nacht auf Montag mit einer sofortigen Berufung gegen die Freilassungsentscheidung. Wegen der aufschiebenden Wirkung der Berufung muss Høiby bis zur Entscheidung einer höheren Instanz in Untersuchungshaft bleiben. Damit dürfte sich die Frage einer möglichen Freilassung in den kommenden Tagen erneut stellen – und zwar vor dem Hintergrund eines Urteils, das am 15. Juni verkündet werden soll.
Høiby hatte in den vergangenen Monaten mehrfach versucht, seine Haftentlassung zu erreichen. Bereits im Mai war ein Antrag mit elektronischer Fußfessel abgelehnt worden. Die Verteidigung begründete den neuerlichen Antrag mit der veränderten Gesundheitslage der Kronprinzessin. Das Gericht kam in seiner Abwägung zum Schluss, dass die weitere Inhaftierung angesichts der lebensbedrohlichen Erkrankung der Mutter unverhältnismäßig wäre, ließ dabei aber das von der Polizei und dem Gericht selbst angenommene Rückfallrisiko unberührt.
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf das norwegische Königshaus, das sich in einer doppelten Belastungsprobe befindet. Einerseits steht mit der bevorstehenden Urteilsverkündung am 15. Juni einer der aufsehenerregendsten Strafprozesse des Landes seit Langem bevor. Andererseits kämpft die künftige Königin des Landes nach offiziellen Angaben des Hofes gegen eine unheilbare Lungenkrankheit, die das Königshaus selbst als lebensbedrohlich einstuft.
Beobachterinnen und Beobachter in Oslo verfolgen die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit. Die Kombination aus einem Strafverfahren mit schwersten Vorwürfen und der schweren Erkrankung eines Mitglieds der Königsfamilie ist in der jüngeren norwegischen Geschichte beispiellos. Während die Justiz die Unschuldsvermutung und die Rechte der Beschuldigten zu wahren hat, steht die Königsfamilie vor einer privaten Belastung, die durch die öffentliche Berichterstattung zusätzlich verschärft wird.
Sollte das Berufungsgericht die Entscheidung des Osloer Gerichts bestätigen, könnte Høiby zumindest zeitweise aus der Haft entlassen werden, um die Wochen bis zum Urteil mit seiner Mutter zu verbringen. Lehnt das Berufungsgericht den Antrag hingegen ab, bleibt der 29-Jährige bis zur Urteilsverkündung am 15. Juni in Untersuchungshaft. In jedem Fall wird das Urteil selbst mit großer Spannung erwartet: Es könnte wegweisend sein für den Umgang der norwegischen Justiz mit Vorwürfen sexualisierter Gewalt – unabhängig vom sozialen Status der beschuldigten Person.
Fragen & Antworten
Wann wird das Urteil im Strafverfahren gegen Høiby verkündet?
Das Urteil im Verfahren um 40 Anklagepunkte, darunter vier Vergewaltigungen, soll am 15. Juni 2026 verkündet werden. Die Staatsanwaltschaft fordert sieben Jahre und sieben Monate Freiheitsstrafe.
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